Standpunkt von Nikolas Baur zum Artikel „13 Kilometer Schiene…“ im SÜDKURIER vom 16.11.2024 von Jaqueline Weiss
Die erfahrenen Autoren der Studie konnten ihre Begeisterung nur schwer verbergen: Fast nie treffen sie bei ihrer Arbeit auf ähnlich perfekte Ausgangsbedingungen für die Reaktivierung einer Bahnlinie wie bei unserer “Etzwiler Bahn”: eine vorhandene, funktionsfähige Trasse mit dicht besiedeltem Einzugsgebiet.
Man müsste fast nur Bahnsteige bauen, die Bahnübergänge sichern und die elektrische Oberleitung errichten – schon könnte es losgehen. Die Oberleitung ist in diesem Fall sogar besonders günstig, denn es ist kein neues Unterwerk erforderlich. Selbst unter den widrigsten Annahmen im Stresstest überwiegt der Nutzen klar das Risiko: schnellere und komfortablere Verbindungen, mehr Fahrgäste, weniger Schadstoffemissionen und vergleichsweise geringe Kosten.
Die Fahrzeit zum Singener „Hauptbahnhof“ und in die Innenstadt beträgt ab Rielasingen 6-7 Minuten, ab dem Berliner Platz 4 Minuten – einfach unschlagbar! Auf die beiden Gemeinden kommen am Ende lediglich Kosten im Bereich eines großen Einfamilienhauses zu – im Vergleich zu anderen Projekten ein wahres Schnäppchen, wenn man den anhaltenden Nutzen auf Jahrzehnte hinaus bedenkt. Ein Anschluss an das begehrte Schweizer S-Bahnsystem wird insbesondere die Gemeinde Rielasingen-Worblingen und die Singener Südstadt stark aufwerten, dafür gibt es zahlreiche ähnliche Beispiele.
Natürlich gilt es, auch die Nachteile abzuwägen und zu minimieren. Im Bereich der Haltestellen sollte es Anwohnerparken geben. Viermal pro Stunde fährt ein Elektrotriebwagen, quasi ein E-Bus auf Schienen, an den Häusern vorbei. Dieser wird jeweils einige Sekunden lang zu hören sein. Das Geräusch ist zwar nicht mit dem eines Dieselzugs oder der Museumsbahn vergleichbar, dennoch müssen die Interessen der direkten Anwohner berücksichtigt werden. Außerdem müssen die Gleise durch Schranken und Zäune gesichert werden, damit es nicht zu Unfällen kommt. Das befürchtete Verkehrschaos wird es dadurch nicht geben.
Die direkte Anbindung von Worblingen nach Singen mit der Buslinie 402 sollte erhalten werden. Wer es schneller mag, hätte die Wahl in Rielasingen auf die Bahn zu wechseln oder aber bequem im Bus sitzen zu bleiben. Bus und Bahn erschließen unterwegs ohnehin unterschiedliche Teile Rielasingens und der Südstadt. Wir plädieren dafür, dass Bahn und Bus in Singen außerdem unterschiedliche Zielpunkte ansteuern. Somit entsteht eine Ergänzung und keine Konkurrenz.
Wenn die Schweizer auf den Zug mit aufspringen, bekommen Singen und Rielasingen außerdem eine schnelle Direktverbindung nach Stein am Rhein und Winterthur – interessant für umweltbewusste Pendler in der einen und finanzstarke Einkäufer in der anderen Richtung!




